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26. Januar 2020

Wald braucht Zukunft – Zukunft braucht Wald

Die Wälder sind das erste Opfer der menschengemachten Klimakrise in Sachsen-Anhalt. Vor allem die Nadelbaumarten Fichte, Kiefer und Lärche, aber auch die Buche leiden unter den zunehmenden Klimaextremen Hitze, Trockenheit und Stürmen. Dazu kommt der Schädlingsbefall, der durch Hitze und Trockenheit begünstigt wird und besonders geschwächte Bäume betrifft.

Es ist höchste Zeit zu handeln, um unsere Wälder mit all ihren Funktionen für Mensch und Umwelt zu erhalten. 1,5 Prozent oder 8 200 Hektar von 550.000 Hektar Waldfläche Sachen-Anhalts müssen aktuell als „Kahlflächen“ bezeichnet werden.

Waldbesitzer und Politik sind aufgerufen, jetzt aktiv zu werden. Die Bemühungen um einen nachhaltigen Waldumbau müssen verstärkt werden. Schritt für Schritt sollen unsere Wälder zu klimastabilen Mischwäldern mit gesunder Altersstruktur entwickelt werden. Denn der Wald ist als unabdingbarer Bestandteil eines funktionierenden Ökosystems und für die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen unverzichtbar. Er steht für Stabilisierung des regionalen Klimas, und stellt weitere ökologische Dienstleistungen wie CO2-Bindung, Sauerstoffproduktion, Luftreinigung und Kühlung zur Verfügung. Er ist mit seiner Speicher- und Filterfunktion von besonderer Bedeutung für die Trinkwassergewinnung, er dient der Erholung und ist zugleich auch Wirtschaftsfaktor. Der Wald ist Lebensraum für unzählige Pflanzen und Tiere, den es gilt zur Erhaltung der Biodiversität zu schützen.

Der Landesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN begrüßt deshalb die vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie unter unserer Ministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) eingeleiteten Maßnahmen:

  • zum Waldumbau hin zum klimastabilen Mischwald,
  • zur Waldforschung für eine standortgerechte Baumartenwahl,
  • zur Risikominimierung durch Anpflanzung unterschiedlicher Baumarten zur Verbesserung der Waldstruktur, 
  • zur Standortanpassung (Boden, Wasser, Nährstoffe) durch standortgerechte Arten,
  • zur Erhöhung des Wildnisanteils im Landeswald,
  • zur Unterstützung und Beratung privater Waldbesitzer,
  • zur Personalverstärkung und Nachwuchskräftegewinnung im Forst,
  • zur Unterstützung nachhaltiger Holznutzung zur CO2-Bindung,
  • zur Bereitstellung hochwertigen Saat- und Pflanzguts.

Eine ausreichende Wasserverfügbarkeit ist aktuell die größte Herausforderung für den Erhalt und die Entwicklung unserer Wälder. Beim Wassermanagement muss deshalb unverzüglich ein Paradigmenwechsel eingeleitet werden, der auf die Wasserhaltung statt auf den Wasserabfluss fokussiert. Weiterhin muss die Entwicklung neuer waldbaulicher Methoden (z. B. zur besseren Altersstrukturierung/Naturverjüngung von Wäldern oder für den Ausbau von Waldrändern) vorangetrieben werden, damit die Wälder klimastabil werden. 

Angesichts der weiter vorherrschenden Dürre bleibt das Thema Waldbrandschutz von großer Bedeutung. Auf Ebene der Landkreise ist hier die notwendige Vorsorge zu treffen. Wir begrüßen, dass auf Ebene der Landesregierung das Ministerium für Umwelt-, Landwirtschaft und Energie entsprechende regionale Anpassungen im Brandschutz unterstützt.

Der Landesvorstand kritisiert die CDU-SPD-geführte Bundesregierung für die nicht ausreichende Unterstützung unseres Bundeslandes. Der Verteilschlüssel des Bundes für zur Verfügung gestellte Fördergelder an private Waldbesitzer verkennt, dass Sachsen-Anhalt besonders von der Klimakrise und daraus resultierenden Waldschäden betroffen ist. Die hierzu verabschiedeten neuen Förderungsgrundsätze der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) für das Jahr 2020 benachteiligen Sachsen-Anhalt im Vergleich zu den anderen Bundesländern. Obwohl zehn Prozent der deutschlandweiten Waldschäden der vergangenen beiden Jahre auf Sachsen-Anhalt entfallen, erhält Sachsen-Anhalt lediglich 4,38 Prozent der vom Bund den Ländern im Rahmen der GAK in Höhe von 98 Millionen Euro bereitgestellten Mittel. Das ist sogar weniger als dem Land nach Anwendung des GAK-Schlüssels (5,79 Prozent) zugestanden hätten. Damit stehen in Sachsen-Anhalt letztlich einschließlich Landesmitteln nur 11,8 Millionen Euro statt 19 Millionen Euro zur Schadensbewältigung zur Verfügung. Wir erwarten, dass der Bund eine Verteilung nach der Höhe der Schäden bestimmt.

Der Landesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bekräftigt, wir brauchen einen konsequenten Klimaschutz als Voraussetzung für einen intakten Wald. Waldumbau und Schadensminimierung sind ansonsten vergeblich. Nachhaltiger Waldumbau dauert Jahrzehnte. Das macht ein sofortiges Umdenken und Handeln gegen die Klimakrise unabdingbar, sonst werden alle eingeleiteten Maßnahmen verpuffen.

Beschluss des Landesvorstands vom 26.01.2020