Close

29. September 2017

Faktencheck: Tod durch Wolfsangriff in Griechenland?

Artikel „Wer ist der Herr im Wald“ mit Meldung „Wölfe töten Touristin“ in der Printausgabe der Mitteldeutschen Zeitung, Seite 2, 29. September 2017.

„Wölfe töten Touristin“ –  für die Mitteldeutsche Zeitung (29.09.2017), die sich auf eine dpa-Meldung vom 28.09. bezieht, scheint heute klar zu sein: Beim Angriff auf die britische Touristin (die laut dpa eigentlich eine Flüchtlingshelferin ist) nahe Maronia in Griechenland kann es sich nur um eine Wolfsattacke handeln.

Dabei zeichnen die dpa-Meldung und sogar sie selbst in einem vorhergehenden Artikel vom 28.09. sowie weitere Medien wie der Stern ein differenziertes Bild der Lage. Der in der dpa-Meldung genannte Veterinärexperte ist sich sicher, dass es sich bei den Bissspuren an den Knochen um die Spuren von Wölfen handelt. Die Tiere könnten demnach im dicht bewaldeten Gebiet von Ismaros, in der Nähe von Maronia, leben. Doch, und das verschweigt die MZ in ihrem heutigen Artikel, gibt es daran Zweifel von gleich zwei Wildtierorganisationen.

Panos Stefanou, ein Sprecher der griechischen Wildtier-Organisation Arktouros, befindet das Szenario eines Wolfangriffs mit Blick auf die Landkarte als unwahrscheinlich. Denn erstens sei das Waldgebiet Ismaros viel zu klein für ein Wolfsrudel und zweitens liege der Fundort der Leiche am Strand an einer ungeschützten Küste, wo sich Wölfe nicht freiwillig aufhielten.

Spyros Psaroudas von der griechischen Wolf- und Wildtierorganisation Callisto wundert sich derweil, wie der Veterinär den Unterschied zwischen den Bissspuren zwischen Wolf- und Hütehund ohne DNA-Test ermittelt haben will. Denn in dieser Region um Maronia leben, so der Sprecher, viele der riesigen griechischen Schafhütehunde, die den Wölfen sehr ähneln. Psaroudas hält eine Attacke von verwilderten Hunden, von denen in Griechenland rund eine Million leben, für vorstellbar.

Auch für die griechische Polizei ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Sie ermittelt weiter.

Den Angehörigen des Opfers gilt unser Mitgefühl.

29. September 2017 News