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5. Juli 2018

Wut, Lebenslust und #weltretten

Ein Blogbeitrag unserer Landesvorsitzenden Susan Sziborra-Seidlitz. Dieser Sommer ist knallblau und sommerlich, wie die Ferien meiner Kindheit. Es könnte (ignorierte man die Dürre in Sachsen-Anhalt) ein herrlicher Urlaubssommer sein.

Aber die Dürre lässt sich eben nicht ignorieren, nicht die Ernteausfälle, nicht die Feld- und Waldbrände, nicht die sinkenden Flusspegel und die Sorge der Bauern und Forstwirte. Die Wasserknappheit in einigen Gegenden lässt sich nicht ignorieren. Die Folgen der Klimakatastrophe lassen sich nicht mehr ignorieren. Nicht einmal in Sachsen-Anhalt. Selbst mit geschlossenen Augen kaum noch. Das schafft nur die Bundesregierung. Wahrscheinlich, weil sie sich ablenkt mit einem unwürdigen bayerischen Affentanz, von dem im Moment gerade mal das erste Kapitel abgeschlossen scheint. Da zwingt ein alternder Provinzfürst dem ganzen Land Chaostage und schlaflose Nächte auf, nur um den allerletzten Strohhalm nicht loszulassen, der ihm den Erhalt der Mehrheit in Bayern zu verheißen scheint. Und er übersieht dabei, dass alles, was er tut und verkündet die See für ihn nur rauer macht. Dass es denen in den Karten spielt, die noch extremer als er die sogenannte konservative Revolution verfolgen, die versuchen sie zu ihrer, zur rechten Revolution zu machen. Seehofer scheint zu starrsinnig zu erkennen, dass das, worum er sich dreht, Probleme schafft und kein einziges löst. Und findet mit der düpierten Kanzlerin am Ende einen Kompromiss, der keiner ist, sondern asbachuralter unmenschlicher Wein, sogar in alten Schläuchen. Eine Idee, die der Koalitionspartner SPD schon einmal sehr deutlich abgelehnt hat.

Eine Idee, die nicht im Koalitionsvertrag steht, wird der guten alten Tante jetzt vor die Füße geschmissen. Sie soll jetzt lösen, was der Union nicht möglich war. Sie soll jetzt durch Selbstaufgabe die Regierung stabilisieren, auch zum Preis der eigenen Erosion. Auch zum Preis des eigenen Werte- und Bedeutungsverlusts. Sie soll damit ein Problem lösen, das eigentlich gar keines ist. Sie soll sich selbst opfern, um einen Scheinriesen zu erlegen, der von der Union so lange mit Zuschreibungen, Framing und Bedeutung gefüttert wurde, bis er wirklich einiges an Größe gewonnen hat. Bis manche Leute wirklich das Gefühl haben, diese unmenschlichen Lager, die da jetzt geschaffen werden lösten IRGENDEIN tatsächliches Problem im Land. Bis für manche Leute in diesem Land der Sieg über dieses Problemchen wirklich für das Gefühl ausreicht, jetzt regiere die Regierung endlich.

Geht’s noch?

Pflegekrise, Klimakrise, Wohnraumkrise, Gerechtigkeitskrise, Demokratiekrise … Alle ungelöst. Größtenteils ohne Lösung in Sicht. DAS sollte uns in Atem halten. DAS sollte uns anstrengende Tage und schlaflose Nächte bereiten. Dass es das nicht tut, macht auch wütend.

Wie soll man da Urlaub machen? Wie soll man da genießen, dass wir in diesem Jahr keinen verregneten Sommer haben, worüber man sich im Urlaub wenigstens heimlich freuen darf, auch wenn die Probleme, die Hitze und Dürre mit sich bringen, natürlich viel schwerer wiegen als die Freude. Ach Freunde: Man soll, weil es nötig ist. Für die Auseinandersetzung, für die Kämpfe, für den Streit der nächsten Zeit wird all unsere, wird all eure Kraft notwendig sein. Und diese Kraft kommt aus Freude und Liebe und Lebenslust. Also lasst uns diese Kraft aufladen. In kleinen und großen Momenten und Erlebnissen, weit weg oder nah. An Seen, der See oder Bergen. Und dann machen wir weiter. #weltretten. Schönen Sommer!