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7. März 2020

Naturnahe Wälder: In der Klimakrise nötiger denn je

Der Wald erfüllt vielfältige Funktionen im Naturhaushalt. Er stabilisiert das
regionale Klima, bindet CO2, bildet Sauerstoff, reinigt und kühlt die Luft. Er
dient der menschlichen Erholung und der Holz-gewinnung. Er hat eine zentrale Stellung im Wasserhaushalt (Reinigung, Zurückhaltung, Begünsti-gung von Niederschlägen durch Abkühlung der Erdoberfläche) und ist Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Bei fortdauerndem Scheitern der globalen Klimaschutzbemühungen sind Erhaltung und Ausbau von Waldflächen ein sicheres, natürliches, und kostengünstiges Mittel, um unsere Region zu stabilisieren.

Denn der Wald ist bis zu einem gewissen Grad in der Lage, lokal die Folgen des Klimawandels abzumildern. Stürme, die sehr trockenen Jahre 2018 und 2019, Insekten und zahlreiche Komplexerkrankungen haben auch als Folgen der menschengemachten Klimakrise enorme Schäden an den Waldflächen in Sachsen-Anhalt verursacht und die Krise des
Waldes ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Darüber hinaus haben waldbauliche Leitbilder der Vergangenheit, die teilweise auch heute noch angewendet werden, massiv zu Instabilität und Verletzbarkeit der Wälder beigetragen.

Das ganze Ausmaß der Katastrophe lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Doch klar ist, dass jetzt Maßnahmen getroffen werden müssen, um naturnahe und klimastabile Wälder aufzubauen, die auch ihren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.

Der LDR möge folgende Handlungsfelder zur weiteren Ausarbeitung auf den verschiedenen Partei-ebenen und als prioritäre Aufgaben unserer Waldpolitik im MULE beschließen:

Naturnahen Waldbau konsequent durchsetzen – der Umbau von Monokulturen zu naturna-hen Mischwäldern ist deutlich zu forcieren und mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen. Zur Bereitstellung von gebietsheimischem Saatgut sind die Sicherung der Quellen und die Vermehrung zu gewährleisten. Forschungen zu naturnahen Waldbaumethoden und zur Klimaanpassung gebietsheimischer Arten ist zu intensivieren Mehr Wildnis im Wald zulassen.

Wir fordern die Stillegung von mindestens 10 % des öffentlichen Waldes.
Der Schutz von FFH-Waldlebensraumtypen, die Nationalparkkonzeption sowie die Manage-mentpläne zum Schutz und für die Entwicklung der
Waldlebebensraumtypen sind konsequent umzusetzen. Für Wälder in Natura 2000 – Gebieten ist die Einbringung nicht-einheimischer Baumarten zu untersagen. Konsequenter Schutz des Waldbodens als wichtige Komponente des Ökosystems sowie als Kohlenstoff- und Wasserspeicher.
Die Entwicklung von naturnahen, funktionalen Waldrändern ist zu forcieren.

Dazu sind die Förderprogramme zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Die Fördergelder sind hier, wie im ganzen Themenbereich an ökologische
Kriterien zu binden.
Gleichrangige Berücksichtigung der verschiedenen Funktionen des Waldes
(Artenschutzfunk-tion, Klimafunktion, Erholungsfunktion,
Trinkwassererzeugung, CO2 und Wasserspeicher, Bodenschutz,
Holzproduktion). Die Holznutzung darf die anderen Funktionen nicht in
Frage stellen. Holz nachhaltig nutzen, die stoffliche Nutzung muss im Vordergrund stehen (Kaskadennutzung). Als eine der zu etablierenden Natura 2000 Stationen ist ein Kompetenzzentrum für Wald- und Klimaschutz einzurichten.

Paradigmenwechsel im Wassermanagement unverzüglich einleiten – weg vom Entwässerungsmangement, hin zum Retentionsmanagment. Hierfür ist das Wassergesetz entsprechend anzupassen.

Beschlossen auf dem Landesdelegiertenrat in Halle (Saale) am 07. März 2020