Close

13. Oktober 2012

Das Pestizid-Ausstiegsmodell (PA-Modell) – Ein Vorschlag zur Ökologisierung der europäischen Landwirtschaft

Der vorliegende Vorschlag soll ein Impulsgeber für die kommende Förderperiode ab 2014 und die darauffolgende Förderperiode ab 2020 sein, um den dringend notwendigen Umwelt- und Naturschutz in Agrargebieten in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen. Durch wenige aber konsequente Auflagen könnte es gelingen, für die Landwirtinnen und Landwirte klare Handlungsperspektiven zu eröffnen und sie gleichzeitig bürokratisch zu entlasten. Der Verzicht auf Pestizide führt zur Ökologisierung der Landwirtschaft.

Die Flächenförderungen der I. Säule der EU-Agrarbeihilfen bekommen nur noch Landwirtinnen und Landwirte, die nach einem Pestizidausstiegsmodell (PA-Modell) mit folgenden drei Bedingungen arbeiten:

  •  schrittweise pestizidfreie Bewirtschaftung (2014 bis 2017 Vorbereitungsphase; möglichst ab 2017 keine Herbizide; ab 2020 Ausschluss weiterer Pestizidgruppen einschließlich der im ökologischen Landbau eingesetzten Kupfermittel; ab 2024 Ausschluss aller Pestizide; d.h. Ausstieg innerhalb von 10 Jahren)
  •  gentechnikfreie Bewirtschaftung (kein GVO-Anbau und keine GVO-Fütterung)
  •  mindestens 10 % der Betriebsfläche werden als Biodiversitäts- Vorrangfläche
    ausgewiesen und bewirtschaftet.

Praktische Umsetzung

Die Umweltschutzauflage Pestizidfreiheit als zentrales Element des vorliegenden PA-Modells ist über eine europaweite Pestizid-Handelsproduktliste zeitgemäß umsetzbar. Auf diese Pestizidliste kann jede Landwirtin und jeder Landwirt sekundenschnell über das Internet zugreifen. Die Verwendung eines förderausschließenden Pestizides führt automatisch zur sofortigen Ausklammerung aus der Förderung. Diese elektronisch organisierte Rezeptpflicht – wie sie in etwa derzeit im Ökosektor für Saatgut existiert – bildet die technische Basis der Überwachung.

Die Komponente Gentechnikfreiheit kann wiederum über eine europaweite Negativliste umgesetzt und kontrolliert werden.

Die Komponente Biodiversitäts-Vorrangfläche ist ein richtiges Element der jetzt diskutierten Agrarreform. Allein die katastrophale Situation des Naturschutzes in Agrargebieten (laufend sinkende Biodiversität) macht eine solche aufwendige Vorgabe notwendig. Kommt es zu einer Stabilisierung der ökologischen Situation in den Agrargebieten, sollte diese Regel zugunsten der freiwilligen Naturschutzarbeit der Landwirte wieder aufgegeben werden.

Anmerkung:Mit Pestiziden sind alle Pflanzenschutzmittel gemeint, die gemäß EU-Bio-VO im Ökolandbau ausgeschlossen sind. Ein Verzicht auf Pestizide gemäß der EU-Bio-VO ist noch kein ökologischer Landbau. Dort gibt es weitergehende Regelungen zur Tierhaltung und insbesondere zum Ausschluss von mineralischem Stickstoff.

PA bedeutet Pestizid-Ausstieg. Die Kurzform PA wurde gewählt, weil die bayerischen Grünen ein sogenanntes Arbeitskräfte-Modell (ÁK-Modell) als Alternative zu den derzeit diskutierten Brüsseler Vorschlägen entwickelt haben. Wir denken, dass durch das AK- und das PA-Modell die Auffassungen schon in der Bezeichnung klar zum Ausdruck kommen und dann konstruktiv diskutiert werden können.