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24. Mai 2017

Geblogt: Nur Mut!

Diese Woche war eine wunderbare Woche. Diese Woche war eine grauenhafte Woche.

Ein Text von Susan Sziborra-Seidlitz | Am Sonntag feierte mein Sohn gemeinsam mit anderen Jugendlichen Konfirmation. Achtzehn strahlend schöne junge Menschen standen da vor der Gemeinde, in den Augen diese vollkommene Furchtlosigkeit, diese leuchtende Kühnheit, wie sie nur 14-Jährigen eigen ist. Ohne Angst blicken sie auf ihr Leben und auf den Weg, der vor ihnen liegt.

Alles ist offen, alles scheint erreichbar, alles zu schaffen, wenn man es nur genug will. Das Leben ist bereit für sie, und es ist schön. Neben all meinem Stolz in diesem Moment und der Rührung über diese prächtigen Menschen (am prächtigsten war natürlich mein Sohn) regte sich ein bisschen der Neid in mir und ich sehnte mich nach der furchtlosen 14-Jährigen, die ich einmal war. Und ich trug dieses tiefe Zukunftsvertrauen mit meinem Sohn gemeinsam durch den Sonntag und ein bisschen durch den Montag.

Da, wo es richtig wehtut

Und erwachte am Dienstag als Mutter in Sorge und Angst. Entsetzliche Bilder erreichten uns aus Manchester, wo Kinder und Jugendliche wie mein Sohn, wo Eltern und Freunde Opfer eines Terroranschlages wurden. Sie taten genau das, was junge Menschen eben tun: sie feierten – wahrscheinlich in meinen Ohren schreckliche – Musik bei einem Popkonzert. Der Attentäter erreichte uns einmal mehr mitten im Herz. Da, wo es richtig wehtut. Er tötete nicht allein 22 Menschen und verletzte unzählige schwer, er versuchte auch, unsere Lebenslust, unsere Freude und den unbeschwerten Mut unserer Jugendlichen zu töten.

Lasst uns kühn und frei von der Angst sein

Mein Sohn bekam zur Konfirmation mehrere Konzertkarten geschenkt. Es soll der erste „richtige“ Sommer seiner Jugend werden mit Festival und allem, was dazu gehört. Und in ein paar Tagen werde ich meine Jüngste auf das erste Open-Air ihres Lebens mitnehmen. In die Trauer um die Opfer in Manchester, die Betroffenheit, die Wut, mischt sich nun auch die ganz konkrete Frage: Geht das? Ist die Gefahr nicht zu groß? Können wir unsere kleinen und großen Kinder dem aussetzen? Sollten wir die Karten nicht lieber ..?

Und dann denke ich an den Moment in der Kirche, als mein Sohn mit seinen siebzehn Freunden so strahlend furchtlos vor uns stand. Und ich weiß: Es geht nicht nur, es muss! Ich werde mich fürchten dabei, aber meine Furcht ist der Preis dafür, dass die Furchtlosigkeit dieser jungen Menschen erhalten bleibt. Und der Mut unserer offenen Gesellschaft. Und beides zählt zu den höchsten Gütern unserer Zeit. Beides gilt es zu verteidigen. Also lasst uns trauern und betroffen sein, lasst uns auch Sorge haben und lasst uns wütend sein.

Aber vor Allem: lasst uns kühn und frei von der Angst sein, die das eigentliche Ziel der Terroristen ist. Lasst und mutig sein und offen bleiben. Und lasst uns weiter auf Konzerte gehen.